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Googles Doodles oder wer spielt denn da mit dem Logo?


28.01.2009 - Für Corporate-Design-Verantwortliche muss Google ein Alptraum sein, stellt der Suchmaschinen-Gigant
doch pro Jahr bis zu 50 Varianten seines Logos online. Darf man das? Ein Logo ist doch "der verdichtete Ausdruck des
Markensprechens
" wie es JvM-Vorstand Karen Heumann formuliert. Gibt es vielleicht noch andere Gründe, warum vor
Google kaum ein Markenunternehmen es gewagt hat, verschiedene Ausdrucksformen seines Logo zu entwickeln?



Die Antwort zur zweiten Frage ist leicht. In der realen Welt geht es im Prinzip gar nicht, das Logo alle paar Tage zu
verändern, außer man stellt sich statt eines echten Logos z.B. ein großes Display auf's Dach und blendet dort tag-
täglich Varianten des eigenen Logos ein. Aber auf die Idee ist bisher, zum Glück, noch niemand gekommen. Zurück
in die Online-Welt. Dort gehen die Kosten für einen Logo-Austausch gegen null. Und: Die Website ist Produkt und
Verpackung zugleich.

Bleibt die erste Frage: Darf man das? Die reine CD-Lehre sagt klar: Nein!!! Um Gottes Willen. Die Marke ist heilig, das
sie visualisierende Logo ist es auch. Ist es? Nun ja, es kommt darauf an, wofür die Marke steht. Ist sie grundsolide
und konservativ, dann definitiv. Ist sie dagegen jung, kreativ und spontan, dann darf man durchaus auch mal mit dem
eigenen Logo spielen. Und wenn man sich als Unternehmensmotto "Don't be evil" auf die (virtuellen) Fahnen schreibt,
dann sollte man auch das bonbonbunte Logo nicht allzu ernst nehmen. Es will uns doch nur sagen: Lasst uns spielen.
Na Logo!

Bleibt die Frage, wie bei Google die Idee mit den "Doodles" entstanden ist. Zunächst zur Bezeichnung der Logo-
Varianten selbst. Die meisten glauben, es sei eine Modifikation des Unternehmensnamens. Aber nein. Weit gefehlt.
"Doodle" ist de facto ein real existierender englischer Begriff, der so viel bedeutet wie Gekritzel/Kritzelei. Entstanden
ist das ganze 1999 als die beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin zum Kunstfestival Burning Man fahren
wollten. Mitarbeiter hatten sie damals noch keine. Heute schon, 20.222 um genau zu sein (Stand: 22. Januar 2009).
Wer sich selbst einmal ein Bild von der Mitarbeiterschar machen möchte, der sollte sollte mal >> hier vorbeischauen.
Nun ja, zurück zu 1998. Die beiden Gründer wollten ihren Freunden ganz im Stile Hape Kerkelings sagen: "Ich bin
dann mal weg." Doch keine Angst, sie haben über ihre Abwesenheit nicht gleich ein Buch geschrieben, sondern
einfach so etwas wie eine graphische Abwesenheitsnotiz hinterlassen, genauer gesagt einen "brennenden Mann"
zwischen den Google-Buchstaben. Und wie es die Geschichte nun mal so will, fanden das die ersten Googlianer
ganz witzig und nett. Warum also nicht beibehalten? Ja, warum eigentlich nicht!

Seitdem gibt es mehr oder weniger im Wochenrhythmus an einem Feiertag und/oder zu einem besonderen Ereignis
(z.B. dem Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober) ein Doodle, inklusive zum Anlass passender Linklisten.
Seit dem 14. Juli 2000 stammen die "Feiertagslogos" aus der elektronischen Feder von Dennis Hwang, der bei Google
als Praktikant angefangen hatte und heute als Webmaster Manager maßgeblich die Google-Seite verantwortet. Nun
ja, ist ja auch nicht sonderlich schwer. Schließlich gibt es dort nicht allzu viel zu sehen. (Zu finden schon!) Die
Schlichtheit der Website ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Suchmaschine und dürfte zugleich ein Grund dafür
sein, dass Hwang immer noch zwischendurch Zeit zum Kritzeln hat. Allwöchtentlich findet sich deshalb für einen
Tag eine neue Variante der blau-rot-gelb-blau-grün-roten Buchstabenfolge, die im Schnitt von 180 Millionen Menschen
gesehen wird. Wow!

Tipp: Eine Auswahl mit Google-Doodles der letzten 10 Jahre finden Sie >> hier.

Und damit Hwang die Ideen nicht ausgehen, gab es 2008 erstmals einen Doodle4Google-Malwettbewerb. Das Ge-
doodle geht also weiter. Von mir aus gerne. Ich freue mich schon auf neue Logo-Bilder vom wahrscheinlich be-
kanntesten unbekanntesten Künstler der Welt, von Dennis Hwang (und seinen kreativen Helfern).

P.S.: Das erste und bisher einzige Mal, dass Google einer anderen Marke ein Doodle gewidmet hat,
        war genau heute vor einem Jahr: Am 28. Januar 2008 zum 50. Geburtstag von Lego.
        (Passt: Die wollen ja auch nur spielen!)


Quelle: WirtschaftsWoche, Welt am Sonntag sowie eigenes "Gegoogele"

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