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Vom Kommen und Gehen (un)bekannter Automarken
14.03.2005 - Der Automobilsektor
erlebt aktuell Markenveränderungen wie nie zuvor. Nachdem
bereits vor knapp einem Jahr in den USA die GM-Marke "Oldsmobile"
nach 107 Jahren Markenpräsenz vom Markt genommen wurde,
verschwin-
det nun auch die vor Jahren mit vielen Werbemillionen eingeführte
koreanische Automarke "Daewoo" von der Bildfläche.
Zwar war es gelungen, den Markennamen bekannt zu machen,
nachdem man unzählige Millionen aufgewendet hatte,
um den Deutschen die richtige Aussprache des koreanischen
Wortes "Daewoo" beizubringen, aber dass es sich
um'
Autos handelt, wussten bis heute die wenigsten. Zudem
war das Image der Automarke stark von seiner asiatischen
Herkunft geprägt. Mit verwantwortlich für das
Verschwinden der Marke Daewoo ist aber auch, dass General
Motors
(GM) nicht die weltweiten Markenrechte am Markennamen hält.
Demgegenüber
findet einer Umfrage zufolge ein Großteil der Deutschen,
dass der ab sofort anstelle von "Daewoo" ver-wendete
Markenname "Chevrolet" gut klinge; auch wüssten
die meisten Deutschen, dass es sich bei Chevrolet um eine
Automarke handelt, wobei die meisten aktuell vermutlich
eher an den Sportwagen "Corvette" denken dürften
als an den Kompaktwagen "Matiz".
Als weitere neue Marke auf dem deutschen Markt führt
DaimlerChrysler Anfang 2006 die US-Marke "Dodge"
auf
dem europäischen Markt mit mi dem Kompaktwagen "Caliber"
ein, um den aktuellen Marktanteil des US-Zweigs von DaimlerChrysler
mit den bisher in Europa vertretenen Marken "Chrylser"
und "Jeep" von aktuell 0,7% innerhalb der nächsten
5 Jahre zu verdoppeln.
Und von Rumänien kündigt sich die mittlerweile
zu "Renault" gehörende Automarke "Dacia"
(vgl. hierzu auch die Marken-
entstehungsgeschichte von>
Dacia) mit dem preisgünstigen Kompaktwagen "Logan"
an, der in Osteuropa ab 5.000 EUR,
in Deutschland für 7.500 EUR angeboten werde soll.
Ähnlich plant Volkswagen mit dem in Brasilien gefertigten
Klein-
wagen "Fox", den deutschen Markt mit einem unterhalb
des Lupo angesiedelten Modells zu beliefern.
Schließlich wird aktuell die Marke "Smart"
(vgl. > Smart-Entstehungsgeschichte)
schrittweise zu einer eigenen Produkt-familie ausgebaut
(> wir berichteten),
während das innovative BMW-Motorrad "C1"
ausläuft und die Marke an Citroën übergeht.
Die zum PSA-Konzern ge-hörende Automarke Citroën
wird unter dem Markennamen "C1" ein günstiges
Kom-paktwagen-Einstiegsmodell einführen (>
wir berichteten) . Und welche Automarke kommt oder geht
als Nächstes?
Quellen: Focus,
Wirtschaftswoche
sowie eigene Recherchen
Mitmach-TV statt Marken-Werbung im Fernsehen
08.02.2005
- Mit knapp 4 Mrd. EUR pro Jahr ist Fernsehwerbung für
fast alle Markenartikelhersteller noch immer erste Wahl,
wenn es um die Kommunikation
ihrer Markenbotschaften gegenüber ihrer Zielgruppe
geht. Noch! Denn die Fern-sehwerbung steckt aktuell in einem
großen Dilemma mit schwer vorhersehbaren Folgen. Zum
einen nehmen die Werbeeinnahmen ab, zum anderen fordern
die werbenden Markenhersteller ein ansprechenderes, breiteres
Umfeld für ihre Werbebotschaften. War bisher die Reichweite
das alleinige Entscheidungskri-
terium, so gewinnen das werbliche Umfeld und die Zusammensetzung
der
erreichten Zielgruppen zunehmend an Bedeutung. Und wäre
das noch nicht
genug, so setzen neue Spartenkanäle und Werbespots
ausblendende Fest-plattenrekorder den TV-Werbemarkt zusätzlich
unter Druck. Dies zeigt sich
auch daran, dass die TV-Sender kaum noch hochwertige TV-Formate
auf die
Beine stellen. Stattdessen wird lieber mit immer denselben
Formaten gearbeitet (Reality-TV, Doku-Soaps, Retro-Shows)
oder es werden Serien und Shows aus dem Ausland kostengünstig
eingekauft. Und mit Call-Ins werden von fast allen Sendern
mittels interaktiver Gewinnspiele neue Erlösquellen
erschlossen. Die Problemfelder der TV-Werbung im Überblick:
(a) Sinkende Programmqualität
Viele Markenverantwortliche großer Unternehmen sind
zunehmend mit dem ihnen angebotenen werblichen Umfeld,
sprich dem Inhalt der Sendungen, unzufrieden, wie die folgenden
drei Aussagen beispielhaft verdeutlichen:
"Was in jünsger Zeit über die Bildschirme
flackert, ist für uns immer weniger als Werbeumfeld
geeignet."
Torsten Müller-Ötvös von BMW (Der Spiegel,
49/2004, S. 211)
"Die Sender werden von immer denselben Formaten
verstopft, und die Qualität bleibt auf der Strecke."
Uwe Becker von Unilever (Der Spiegel, 49/2004, S. 210)
" Wir brauchen endlich wieder ein breites Umfeld
für alle Zielgruppen."
Margret Buhse, Beiersdorf (Der Spiegel, 49/2004, S. 210f.)
Die abnehmende Programmqualität führt zunächst
dazu, dass das Interesse an Fernsehspots insgesamt nachlässt,
im weiteren bei den weiterhin TV-Werbung betreibenden Markenartiklern
dazu, dass die Zahlungsbereitschaft für Fern-sehwerbung
merklich abnimmt, wie auch die zurückgehenden TV-Werbeeinnahmen
deutlich machen.
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(b) Abnehmende Werbeeinnahmen
Die Netto-Umsätze des Werbefernsehens in Deutschland
sind in den drei letzten Jahren kontinulierlich gefallen.
Konnten
im Jahr 2000 noch 4,71 Mrd. EUR erlöst werden, waren
es 2001 noch 4,47 Mrd., 2002 nur noch 3,96 Mrd. und 2003
sanken die Werbeeinnahmen mit nur noch 3,81 Mrd. EUR zum
dritten Mal in Folge (ZAW, Werbung in Deutschland 2004,
S. 15).
Mit ein Grund hierfür sind, dass die Fernsehsender
zunehmend Preisnachlässe gewähren müssen,
was zu einer breiter werdenden Diskrepanz zwischen offiziellen
und tatsächlich gezahlten Preisen führt. RTL beispielsweise
hätte 2003 ca. 2,3 Mrd. EUR durch den Verkauf von Werbezeiten
erlösen müssen. Tatsächlich waren es dann
aber nur 1,2 Mrd. EUR, was dazu führt, dass "solange
die Werbeeinnahmen nicht wieder anziehen, die TV-Manager
weiterhin in schnellem Tempo Billigformate ins Rennen schicken
[werden]" (Der Spiegel, 49/2004, S. 212)
(c) Steigende Verbreitung
von DVD- und Festplattenrekordern
Auch die zunehmende Verbreitung von DVD- und Festplattenrekordern,
die u.a. die Möglichkeit bieten, aufgenommene Fernsehfilme
noch während deren Ausstrahlung zeitversetzt anzuschauen,
tragen ihren Teil dazu bei, den TV-Werbe-markt für
Markenartikelhersteller zunehmend unattraktiver werden zu
lassen. So wird es mit Festplattenrekordern immer leichter,
Fernsehwerbung vollständig "zu überspringen"
und damit deren Reichweite zu untermininieren, was mittelfristig
weiteren Druck auf die Werbezeitenerlöse haben dürfte.
(d) Weitere Spartenkanäle
Als weiteres, zu beobachtendes Phänomen sei an
dieser Stelle auf die weitere Zunahme von Spartenkanälen
verwiesen,
wie das Beispiel TV Gusto verdeutlicht:
"Durch die Digitalisierung des Fernsehens entstehen
zunehmend Spartenkanäle wie TV Gusto,
die durch Spots allein nicht überleben können"
(Focus, 3/2005, S. 116)
Bähr/Fleschner/Ruzas (Focus-Redakteure)
Das Beispiel "TV Gusto" zeigt zugleich, dass sich
die Zusammenarbeit zwischen TV-Sender und Werbekunde zu
verändern beginnt: "Manchmal kommen Kunden
[Lebensmittelkonzerne, K.K.] mit Ideen zu uns, wie man ein
ge-
eignetes Umfeld für Werbung schaffen kann." (Focus,
3/2005, S. 116)
Jörg Schütte (TV-Gusto-Gründer)
(e) Zunehmend mehr Mitmach-Shows und TV-Gewinnspiele
(Call-Ins)
Mitverantwortlich für den "zweiten Kulturschock
nach der Einführung des Privatfernsehens"
(Der Spiegel, 38/2004,
S. 102), so NeunLive-Chefin von Salm, sind sogenannte "Call-TV"-Sendungen,
die als Ausleich für abnehmende Werbe-einnahmen in
immer mehr Sendern Einzug halten. Die eigenen Gewinnspiele
und Mitmach-Shows sind auf Interaktivität
mit dem Zuschauer via gebührenpflichtigem Anruf ausgelegt
und erzielen über 0137-Servicenummern im Schnitt 49
Cent pro Anruf ("Call-In"), von denen 27 bis 34
Cent beim Sender verbleiben. Und solange hierdurch mehr
Geld verdient wird
als durch den Verkauf reiner Werbezeiten an Markenhersteller,
werden TV-Gewinnspiele, Televotings (z.B. Wahl von "Superstars"
und "Dschungelkönigen" auf RTL) oder sonstige
Mehrwertdienste (z.B. Servicenummern bei "WISO"
im
ZDF) weiter zunehmen und mehr und mehr zum festen Programmbestandteil
werden, wie auch die Einschätzung von Jürgen Doetz,
Präsident des VPRT (Lobbyverband der Privatsender)
deutlich macht:
"Auf Werbung alleine kann sich heute kein Sender mehr
verlassen." (WiWo, 36/2004, S. 60)
Jürgen Doetz (VPRT-Präsident)
Hierzu passt auch die Zielsetzung von Pro7-Sat1-CEO Guillaume
de Posche, den Anteil der Nichtwerbeerlöse am Umsatz
der eigenen Sendergruppe, zu der u.a. auch N24 und Kabel1
gehören, von aktuell 8% auf 16% innerhalb der nächsten
5 Jahre zu erhöhen, wobei ein Großteil durch
Telefonerlöse erzielt werden soll. Ähnlich
geht auch NeunLive-Geschäfts-führerin von Salm
davon aus, dass Telefonerlöse zukünftig mindestens
15% zu den Umsätzen der TV-Sender bei-
steuern werden. Und die Berliner Marktforscher von Goldmedia
gehen ausgehen, dass sich die Umsätze aus Call-In Sendungen,
die sich 2001 noch auf 0,4% der Gesamterlöse aller
TV-Sender beliefen, 2003 rund 180 Mio. EUR betrugen
und 2004 laut inoffizieller Schätzungen rund 450 Mio.
EUR erreichten bei Wachstumsraten von durchschnittlich 15%
pro Jahr bis 2008 auf ca. 780 Mio. EUR steigen dürften.
Vorreiter war und ist Mitmachsender "NeunLive",
der sich mit billig produzierten Quizsendungen und kaum
zu durch-
schauenden Regeln zu fast 100% aus Zuschaueranrufen finanziert
und dessen Geschäftsführerin Christiane zu Salm
sogar so weit geht, vorherzusagen, dass "das Call-TV
bei den Erlösen der Sender jenseits der Werbung den
Löwenanteil ausmachen [wird]" (WiWo, 36/2004,
S. 60).
Von den monatlich bis zu 20 Mio. Anrufen wird via "Vorzählfaktor"
nur ca. jeder 25. Anruf in die Sendung durchgestellt. Dank
Echtzeit-Reportings sind Moderator(in) und Regie jederzeit
genaustens darüber informiert, wie viele Zuschauer
gerade anrufen und können auf diese Weise die Spiele
gewinnoptimierend verkürzen oder ins schire Endlose
verlängern. Bei 49
Cent pro Anruf, von denen mindestens 30% bei Talkline und
bis zu 70% beim Sender verbleiben, lassen sich so monatlich
bis zu 7,0 Mio. EUR Umsatz erwirtschaften, bei Gewinnprämien
unterhalb 1 Mio. EUR (z.B. 880.000 EUR im Juli 2004). 2003
erzielte NeunLive einen gegenüber 2002 um 30% auf 78,7
Mio. EUR gestiegenen Umsatz bei einerm Vor-
steuergewinn von 29,3 Mio. EUR, dreimal so viel wie 2002.
Von einer Umsatzrendite von 37% können andere Sender
bis dato nur träumen, wenngleich bereits fas alle Sender
damit begonnen haben, das "Call-TV"-Prinzip zu
kopieren. So geht die ARD davon aus, neben rund 5 Mrd. EUR
GEZ-Gebührengeldern durch Telefonanrufe zu TV-Gewinnspielen
2004
rund 11 Mio. EUR zu erlösen und RTL erzielte bereits
2003 rund 15% des Gesamtumsatzes mittels sogenannter "Diversifikations-Geschäfte".
Und noch eine Entwicklung geht mit dem Vormarsch von Call-TV
einher. Wurde früher für bestehende Sendungen
nach einem geeigneten Telefonanbieter gesucht (meist T-Com),
so gehen heute immer mehr Telefongesellschaften dazu über,
selbst ganze Programmflächen im Fernsehen zu erwerben
und diese dann mit eigenen interaktiven Programmformaten
zu füllen. Dieser Trend führt dazu, dass mehr
und mehrAnbieter von Service-Rufnummern ins Fernsehgeschäft
ein-
steigen und/oder mit TV-Sendern kooperieren, z.B.:
> NeunLive mit Talkline ID
> Tele5 mit Arcor (Vodafone)
> n-tv mit DTMS
> DSF mit Q1
Die folgende Übersicht verdeutlicht den aktuellen Anteil
der Sendungen mit Telefoneinwahl am Gesamtpro-
gramm der führenden sechs Fernsehsender im Jahr 2004:
| Sender
|
Sendungen
mit Call-Ins (in %) |
Beispiel
mit höchster Quote* |
Zuschauer (in Mio.)
|
| Pro7 |
68 |
"Die Wok-WM" von
"TV-Total " |
4,80 |
| RTL |
49 |
"Wer wird Millionär?" |
10,61 |
| Sat1 |
34 |
"Genial daneben" |
3,94 |
| ZDF |
33 |
"Wetten dass...?"
|
15,48 |
| ARD |
19 |
"Eurovision Song Contest" |
11,11 |
| RTL2 |
14 |
"Big Brother" |
3,12 |
* ohne Sportübertragungen
Quelle: WiWo, 36/2004, S. 60
Allein bei "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!"
gingen beim ersten Finale rund 1,3 MIo. Anrufe ein, die
dem Sender 0,35 Mio. EUR Gewinn einbrachten. Beim Finale
von "Popstars" erhielt Pro7 sogar mehr als 2 Mio.
Anrufe und beim Finale von "Deutschland sucht den Superstar"
gingen bei RTL etwa 4,5 Mio. Anrufe ein, die Gesangsdarsteller
Alexander Klaws
zum Sieger kürten und dem Sender als eigentlichem Gewinner
der Sendung rund 1,2 Mio. EUR Profit bescherten, rund
1/4 dessen, was der Sender mit klassischer Fernsehwerbung
am selben Abend einnahm.
NeunLive-Geschäftsführerin von Salm zufolge ergeben
die neuen TV-Interaktionsmöglichkeiten via Telefon
eine Vielzahl neuartiger Geschäftsmodelle:
"Das Fernsehen ist entzaubert und wird mehr und
mehr zu einer Dienstleistung. Vor allem Quizfernsehen ist
nichts anderes als ein Gebrauchsartikel. Und dass sich hinter
dieser neuen Art von Transaktionsfernsehen Industrien positionieren,
sei es die Reiseindustrie oder Teleshopping, Partnervermittlungen
oder Telekomunternehmen, das
ist eine unvermeidbare Entwicklung, an deren Schnittstellen
neue Geschäftsmodelle entstehen."
(von Salm, "Fernsehen entzaubert" (Interview)
in: WiWo, 36/2004, S. 63)
(f) Steigende Umsätze
durch Tele-Shopping (T-Commerce)
Der Erfolg der drei aktuell in Deutschland täglich
ausgestrahlten Tele-Shopping-Sender
> QVC, HSE24 (früher H.O.T.)
und RTL Shop bestätigt dies. Betrugen die Netto-Umsätze
2003 noch 777 Mio. EUR, so konnten Goldmedia zufolge 2004
bereits 940 Mio. EUR erzielt werden, ein Plus von ca. 21%,
wobei für die nächsten 5 Jahre von einem jährlichen
Wachs-
tum von 11% ausgegangen wird. 2009 dürfte Tele-Shopping
diesen Prognosen zufolge dann rund 1,5 Mr. EUR Umsatz erwirtschaften.
Einer aktuellen Studie der GfK zufolge haben bereits 1/6
aller Deutschen bei einem Tele-Shopping-Kanal gekauft, und
damit doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Tendenz
weiter steigend.
Und das End' vom Lied? Den Markenherstellern fehlen immer
mehr qualitativ hochwertige Werbeumfelder im Fernsehen,
die sie für die eigene Markenwerbung nutzen können.
Da die Werbewirkung durch Festplattenrekorder zukünftig
zu-sätzlich eingeschränkt werden wird, weichen
immer mehr Markenhersteller auf >
Below-the-Line Kommunikation
aus, um ihre Marke den eigenen Vorstellungen entsprechend
in den Köpfen der Konsumenten zu platzieren.
Quellen: Der
Spiegel, Focus,
Wirtschaftswoche,
Goldmedia,
GfK
sowie eigene Recherchen
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