
Bei Markenhandys funkt's
10.09.2004 - Auf dem Mobilfunktmarkt wird aktuell vehement
um den Markenplatz auf der Handyschale und dem Display gekämpft.
Waren bisher die Handyhersteller auch zugleich Markennamensgeber,
so finden sich seit einiger Zeit zu-
nehmend Handys auf dem Markt, die mit dem Logo des
Providers markiert sind. Alles gar nicht so wild? Möchte
man meinen, doch die Mobilfunkprovider belassen es immer
häufiger nicht einfach bei dem Logo auf dem Gerätege-
häuse.
Vodafone beispielsweise setzt seine Marktstellung gleich
auf
5-fache Weise ein, um Modifikationen der Hersteller-Handys
nach eigenen Vorstellungen vornehmen zu können, wobei
durch drei der Änderungen gezielt die eigene Marke
gegen-
über der Herstellermarke in den Vordergrund gestellt
wird:
> Exklusive Produktion von Handys nach eigenen Vodafone-Designvorgaben
> Ersetzen des Endgeräteherstellernamens (z.B. SonyEricsson)
durch Vodafone-Schriftzug und Logo
> Animierte Startsequenzen beim Anschalten des Handys
inklusive eigener Vodafone-Firmenmelodie
Dass Kalkül hinter dieser Vorgehensweise steckt, verdeutlicht
die Aussage eines Provider-Managers: "Jedem Kunden
steht es frei, sich auf dem freien Markt ein Gerät
ohne Branding zu besorgen. [...] Wer sich allerdings von
uns ein teures Gerät subventionieren lässt, der
muss auch nach unserer Pfeife tanzen" (Focus, 33/2004,
S. 78). Dass diese Strategie aufgehen wird, bezweifelt nicht
nur Markenexperte Helge Löbler von der Universität
Leipzig: "Den eigenen Namen in den Mittelpunkt zu stellen
ist ein probates Mittel jeden Markenanbieters. [...] Wenn
... allerdings ...das Branding nur dazu dient, das Angebot
zu beschränken und ihn [den Kunden] in seinen Nutzungsgewohnheiten
einzuschränken, ist er zu Recht verärgert"
(Focus, 33/2004, S. 78). Auch viele Mobilfunkkunden stören
sich an der aufdringlichen Selbstdarstellungs-
weise der Netzbetreiber und ärgern sich über die
Gefahr, durch einen falschen Tastendruck beim Bezahlservice
zu landen. Seit kurzem gibt es deshalb die z.B. über
eBay angebotene Möglichkeit des De-Branding. Für
zwei bis 20 Euro bieten versierte Handy-Spezialisten an,
die ungewollen Software-Änderungen durch Aufspielen
der aktuellen Version
des Originalbetriebssystems aufzuheben. Einschränkend
wird allerdings von Experten angeführt, dass hierdurch
Gewährleistungsansprüche gegenüber Hersteller
und Provider entfallen. Zudem ist noch ungeklärt, ob
es sich beim Aufspielen der Original-Software um eine Urheberrechtsverletzung
handelt.
Die beiden übrigen Modifikationen am Mobilfunkgerät
zielen bewußt darauf ab, den eigenen Umsatz teilweise
heimlich,
still und leise, dafür aber umso nachhaltiger zu steigern:
> Durchsetzung von Vereinfachungen (für den Zugang
zu Bezahlservices) in Menüführung und Betriebssystem
> Bereitstellung von geschlossenen Portalen mit zusätzlichen
Buttons und (kostenpflichtigen) Exklusivinhalten
Mit den eigenen Exklusivinhalten versuchen Vodafone (Vodfone
live), T-Online (t-zones), E-Plus (i-mode) und O2 (O2 Active)
durch den Abruf von kostenpflichtigen Informationsdiensten
Mehrumsatz zu erzielen. Eine Umfrage des Bundeswirtschaftsministeriums
jedoch zeigt, dass 38% der Befragten die Endgeräte
noch zu teuer sind, 37% vor zu hohen Kosten der Serviceangebote
zurückschrecken und 29% die Bedienung noch zu kompliziert
ist. Insbesondere den zuletzt genannten Einwand gehen die
Netzbetreiber, allen voran Vodafone, aktiv an, vielleicht
etwas zu aktiv:
So hat Vodafone bei einigen Handys gleich mehrere Tasten
umprogrammiert, die zum kostenpflichtigen Vodafone live-
Portal führen, allerdings teilweise ohne kostenvermeidende
Rückfrage-Option. Auch werden teure Download-Möglich-keiten
zum Teil nicht auf den ersten Blick als solche kenntlich
gemacht. So finden sich neben den Menüpunkten "Eigene
Bilder" bzw. "Eigene Sounds" die wenig aussagekräftigen
Menüpunkte "Mehr Bilder" bzw. "Mehr
Sounds", die als versteckte Links direkt zum teuren
Download-Portal führen. Einige Anbieter unterbinden
darüber hinaus die kostenlose Weiterleitung von Handy-Bildern
via Infrarotschnittstelle bzw. Bluetooth, um so das eigene
Handy-Bilder-Geschäft zu steigern. Wer dies zum Anlass
nimmt, seinen Netzprovider zu wechseln, der muss sein Handy
teilweise mühsam neu konfigurieren, da eine automatische
Einrichtung via SMS häufig nicht angeboten wird.
Auf Herstellerseite fügt sich einzig und allein Markt-
und Markenführer Nokia (noch) nicht den Wünschen
der Provider
und stellt auch weiterhin den eigenen Namen in den Vordergrund.
Acuh weigert sich der finnische Handy-Hersteller
bis dato, bestimmte Mobilfunk-Funktionen zu entfernen. Ähnlich
verfahren auch die kleineren Provider E-Plus und O2,
die mittlerweile auf ein gemäßigtes Handy-Branding
setzen, zumal viele der modifizierten Mobilfunkgeräte
wie billige Prepaid-Handys wirken. Dass die Wahrnehmung
des eigenen Handys durch andere keine geringe Rolle spielt,
dürfte
jedem einleuchten. Zugleich wird aber auch deutlich, dass
die richtige Markierung dadurch auch erheblichen Eiinfluss
auf die Zahlungs-bereitschaft nimmt, wie auch aktuelle Studienergebnisse
von McKinsey verdeutlichen, bei denen die Markenrelevanz
von Mobilfunkbetreibern und Handys in 45 betrachteten Branchen
Platz 12, respektive Platz 19 ein-nehmen. Noch ist offen,
welche Marke am Ende gewinnt. Bis dahin wird es auch weiterhin
zwischen den Anbietern funken.
Quellen: Focus,
Ausgabe 33/2004, S.
76-78, Wirtschaftswoche, Ausgabe 37/2004, S. 72-74 ,
McKinsey-Studie
sowie eigene Recherchen und Erfahrungen
Aktuelle
Marketing-Studie der TU Berlin (Prof. Dr. Trommsdorff) mit
Fokus "Sponsoring"
Hinweis: Die Studie wurde Anfang September 2004 abgeschlossen.
Anfragen zu ersten Studien-
ergebnissen
richten Sie bitte direkt an den Lehrstuhl
von Prof. Dr. Trommsdorff.
Weitere Informationen zum Thema Sport & Marken aus Sponsoren-Sicht
finden Sie hier.
Marke Fußball hoch im Kurs
23.07.2004
- Dass die Fußball-Bundesliga über beträchtlichen
Markenwert ver-
fügt, ist für die meisten Fußballfans nichts
neues. So zahlen Unternehmen Jahr
für Jahr Millionenbeträge, um als Sponsoren in
der Bundesliga präsent sein zu können. Borussia
Dortmund beispielsweise erhält 2004 rund 12 Mio. €
für die
Trikotwerbung von Eon und Bayern Müchen von T-Mobile
sogar 17 Mio. €.
Welche Bedeutung die Vereine als Marke für den wirtschaftlichen
Erfolg der
Fußball-Erstligisten haben, wurde erstmals in einer
aktuelle Studie des IMU der Universität Mannheim in
Zusammenarbeit mit sport1.de und Ernst & Young er-
mittelt bei der 1.800 Fußball-Interessierte zur Markenstärke
der 18 Bundesliga-
Vereine 2003/2004 befragt wurden.
Übersicht: Markenstärke
der Fußball-Bundesliega Vereine (Übersicht)
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Bayern München,
obwohl 2004 nicht deutscher Meister, zumindest in punkto
Markenstärke weiterhin die unangefochtene Nr. 1 in
Deutschland ist und damit quasi seinen ersten Titel 2004
errungen
hat. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die beiden
Revierclubs Schalke 04 und Borussia Dortmund, letzterer
sogar börsennotiert. Die darauffolgenden Plätze
gehen an den 1. FC Kaiserslautern, den SC Freiburg und den
Hamburger SV. Spitzenreiter Werder Bremen folgt erst auf
Platz neun und Schlusslicht bildet der Volkswagen-nahe VfL
Wolfsburg.
Die Studie zeigt deutlich, dass starke Marken für den
wirtschaftlichen Erfolg von Fußballclubs von erheblicher
Be-
deutung sind. So wird beispielsweise der Transfer von David
Beckham von Manchester United zu Real Madrid Mitte
2003 primär mit Markenüberlegungen begründet.
Der britische Spitzenclub spricht in Bezug auf seine Fans
mittlerweile sogar von "Endkunden" und betreibt,
genauso wie der FC Barcelona, einen eigenen Fernsehkanal.
Durch den zu-nehmenden internationalen Konkurrenzdruck im
Sport und verstärkt durch das wachsende Freizeitangebot
müssen
die Fußballclubs zu Dienstleistern werden, die kontinuierlich
ihre Marke pflegen und hegen, so eine der zentralen Aussagen
der Studie.
Da die Bundesligavereine keine Umsatzzahlen veröffentlichen
wurde zur Ermittlung des Zusammenhangs zwischen Markenstärke
und wirtschaftlichem Erfolg der Zuschauerschnitt als wichtigster
Indikator herangezogen, u.a. deshalb,
weil mit zunehmender Zuschauerzahl auch das Interesse von
Presse und Sponsoren steigt. Die Studienergebnisse
belegen, dass die Bedeutung der Markenstärke für
den wirtschaftlichen Erfolg deutlich größer ist
als der sportliche
Erfolg, der anhand des erreichten Tabellenplatzes in der
Saison 2003/2004 ermittelt wurde. Nicht nur die durchschnitt-
lichen Zuschauerzahlen im Stadion profitieren von einer
starken Klubmarke, sondern auch Fanloyalität und Zahlungs-bereitschaft
der Zuschauer werden von einer größeren Markenstärke
positiv beeinflusst. Die Fans im Stadion zeigen,
dass sie sich mit der Marke identifizieren und tragen maßgeblich
zu einer positiven Stadionatmosphäre bei. Dadurch
tragen Sie zugleich zu höheren Umsätzen durch
vermehrte Aktivitäten der Medien und Sponsoren bei.
Man möchte fast
meinen, so zumindest der Eindruck von Markenlexikon.com,
dass der Sport gegenüber der Insze-
nierung der Marke und dem daraus resultierenden "Geldverdienen"
mehr und mehr in den Hintergrund tritt. Nicht nur
der Ball rollt, sondern auch der Rubel, wie wir spätestens
seit dem millionenschweren Engagement des russischen
Öl-Milliardär Roman Abramowitsch beim FC Chelsea
gelernt haben.
Die komplette Studie erhalten Sie für 25 € beim
IMU
der Universität Mannheim.
Quelle: Institut
für Marktorientierte Unternehmensführung (IMU)
der Universität Mannheim
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